🇲🇽 Tag 96 bis 98 – Los Barriles

3. November 2019

Schon nach zwei Tagen haben wir uns irgendwie an das Kakerlakenquartier, wie wir es nennen, gewöhnt. Gestern haben wir sogar noch ein Moskitonetz für das Bett bekommen. Also konnten wir heute Nacht mit offenen Fenstern schlafen. Zusammen mit dem Ventilator war es gut auszuhalten. Außerdem war heute Früh nur mehr eine Kakerlake in der Küche. Ohne Kakerlaken und Gift wäre das Quartier eigentlich recht nett gewesen, wenn wir den Zustand vorher nicht gesehen hätten. Und das ältere Ehepaar, dass das Quartier betreut bemüht sich sehr um uns. Andrea bekommt sogar eine selbst gebastelte Strohtasche geschenkt. Wir sind uns jetzt gar nicht mehr sicher, wie wir das Quartier bei Airbnb bewerten sollen. Streng nach unserer Wahrnehmung oder doch eher nach Sympathie für die Wirtsleute?

Langsam aber sicher neigt sich unsere Zeit auf der Baja dem Ende zu. Einen letzten Stopp in Los Barriles haben wir noch eingeplant, bevor wir wieder nach La Paz fahren und dann mit der Fähre aufs Festland übersetzen.

von Todos Santos nach Los Barriles – 199km

Die beiden Touristen Hot Spots im Süden, Cabo San Lucas und San José Cabo lassen wir bewusst aus. Speziell in Cabo San Lucas soll es viel Party Tourismus geben und an der Küste entlang riesige Hotelanlagen. Das finden wir beides wenig spannend. Aber zumindest durchfahren wollen wir.

Wir kommen zuerst an einigen Surfer Stränden vorbei, die wir von der Hauptstraße aus sehen können. An der südlichsten Spitze, in Cabo San Lucas, gibt es einen Felsbogen, den wir gerne sehen würden. Wir haben aber leider zu wenig recherchiert, auf der Landzunge davor befindet sich eine große Hotelanlage. Hannes fährt sogar bis zum Portier, hier ist aber Schluss. Wir bekommen erklärt, dass wir den Bogen nur sehen können, wenn wir vom Hafen eine Bootstour machen. Also kein Bogen, sondern stattdessen ein Eiskaffee in einem der vielen Lokale. Jetzt um die Mittagszeit ist enorm wenig los in der Stadt, es ist Siesta.

Cafe in Cabo San Lucas

Beim Bankomat haben wir ein kleines Problem. Andrea will Geld abheben und es dauert ewig, bis der Bankomat die Karte wieder zurückgibt und meldet dass die Transaktion erfolgreich ist. Das einzige was fehlt, ist das Geld. Es ist Sonntag und niemand in der Nähe, den wir fragen könnten. (Mittlerweile ist alles geklärt, der Betrag wurde abgebucht und gleich wieder gutgeschrieben, es ist also nichts passiert).

Bei der Stadtausfahrt müssen wir uns durch einen längeren Stau kämpfen. Danach haben wir keine Lust auf einen zweiten Stopp in San José del Cabo und fahren nur auf der Hauptstraße durch die Stadt. Die Landschaft ist sehr schön. Aber dass die Küste mit vielen Hotelanlagen zugebaut ist, können wir jedenfalls bestätigen. Es erinnert entfernt an die Algarve in Portugal, nur dass hier die Hotels noch riesiger sind.

In Los Barriles finden wir unser Airbnb auf Anhieb. Das Quartier ist sehr klein, aber in deutlich besserem Zustand als unser letztes. Wir haben eine kleine Anlegerwohnung bei einem Haus inkl. Garten ganz für uns alleine. Also fast für uns alleine. Wir müssen den Garten nur mit ein paar Tieren teilen. Die Stechmücken kennen wir ja schon, aber hier gibt es noch andere interessante Tiere.

Am ersten Abend sehen wir einen Skorpion (giftig) der neben dem Stuhl von Hannes vorbeiläuft und eine größere Spinne (sicher auch giftig!) an der Hauswand. Das reduziert den Wohlfühlfaktor bei Andrea gleich dramatisch.

Suchbild

4. November 2019

Wir Frühstücken draußen im Garten und bleiben sitzen, bis es uns zu heiß wird. Andrea nutzt die Zeit noch für ein wenig Familienkontakt mit dem Telefon. Hier ist übrigens alles vergittert, also jedes Fenster und auch die Eingangstür hat ein Extragitter. Der Vermieter hat uns extra ein großes Schloss hingelegt, mit dem wir das Gartentor absperren können, nachdem wir unser Motorrad hinter der Gartenmauer geparkt haben.

Dabei haben wir hier nicht so den Eindruck dass es gefährlich ist. Los Barriles wirkt eher wie ein Refugium am Meer für amerikanische Senioren. Wir hören überall Englisch und die meisten Leute, die wir sehen, sind ältere US-Amerikaner*innen, egal ob im Lebensmittelgeschäft am Strand oder in einem Lokal. Die Preise sind hier übrigens auch spürbar höher. Überall sind viele ATVs unterwegs, es scheint das Allzweckfahrzeug hier zu sein, mit dem man Einkaufen, oder zum Strand fährt. Uns ist es hier eindeutig zu USA-lastig und zu wenig mexikanisch.

„unser“ Garten

Heute ist nur Faulenzen angesagt. Wir haben in unserem Zimmer sogar kleine Klappstühle für den Strand, die wir heute nutzen. Das ist für uns beide eine Premiere in unserem Leben, wir hatten vorher noch nie Stühle an einen Strand mitgenommen. Zum Lesen sind sie aber super angenehm, das Alter macht sich bei uns offensichtlich bemerkbar 😉

Es ist ziemlich windig und nicht weit von uns ist eine Kiteschule. Heute sind zwei emsige Schüler unterwegs, die vom Drachen durchs Wasser gezogen werden (aber nicht am Brett) und von ihrem Lehrer vom Ufer aus via Headset Anweisungen bekommen.

Später sind noch ein paar mehr Kiter unterweg, die einen Hydro Foil benutzen. Damit schweben die Kiter fast über dem Wasser, das haben wir vorher noch nirgends gesehen.

Kiter mit Hydro Foil

Am Abend kochen wir seit längerem wieder einmal zu Hause. Heute entdecken wir außer einer kleinen Kröte keine interessanten Tiere draußen. Andrea ist sehr froh darüber:)

5. November 2019

Cabo Pulmo ist ein Nationalpark im Meer, den wir gerne sehen möchten. Dort gibt es ein Korallenriff und angeblich ist es ein gutes Revier zum Schnorcheln. Also stehen wir heute zeitig auf und können uns sogar den Sonnenaufgang am Meer ansehen. Es ist leicht bewölkt, aber gerade die Wolken am Himmel sorgen für eine tolle Stimmung.

eindrucksvolle Morgenstimmung am Strand
von Los Barriles (fast) nach Cabo Pulmo und retour – 110km

Nach dem Frühstück fahren wir los. Auf der einsamen Straße quert vor uns eine recht große Kiefernnatter die Straße und verschwindet schnell im Gebüsch. Also leider kein Foto. Wir sind uns aber wegen der Länge und der Zeichnung ziemlich sicher, dass es eine Kiefernnatter war.

Wir sind bezüglich der Streckenbeschaffenheit vorgewarnt, kurz vor dem Nationalpark endet der Asphalt. Wir stellen uns auf eine herausfordernde Fahrt ein. Aber schon vorher bei einer der Ausweichstraßen die wegen einer Baustelle eingerichtet sind, beginnt die Herausforderung. Das Vorderrad kommt in eine tiefe Sandrille, rutscht weg und schon kippen wir um. Wir haben unseren ersten Umfaller. Alles nicht weiter tragisch, weil wir langsam waren, wahrscheinlich zu langsam. Aber Hannes hasst es im Sand zu fahren. Noch dazu zu zweit.

im Nationalpark Cabo Pulmo

Nach dem Ende der Asphaltstraße wird es interessant. Solange es Schotter gibt, ist das Fahren kein Problem. Aber die Sandpassagen dazwischen sind echt mühsam. Wir sehen uns den ersten Strand im Nationalpark an, aber direkt am Meer liegen viele Steine und die Brandung ist zu stark zum Schnorcheln. Also versuchen wir weiter zu fahren. Nach einigen Kilometer mühsamer Fahrt durch tiefen Sand müssen wir dann aber aufgeben. Das Hinterrad hat sich eingegraben und wir müssen das Motorrad zu zweit raussschaukeln. Ein amerikanisches Paar sagt uns, dass vor uns mehrere tiefe Schlammlöcher sind. Uns reicht es jedenfalls und wir beschließen umzukehren. Wirklich sehr ärgerlich, dass wir es nicht ganz bis Cabo Pulmo geschafft haben. Aber wir wissen jetzt, Sand ist nichts für uns. Im Nachhinein ärgern wir uns ein wenig, dass wir nicht am ersten Strand geblieben sind und von dort ein wenig zu Fuß entlang gegangen sind.

Also gehts wieder zurück nach Los Barriles und wir verbringen den Rest des Tages wieder mit unseren Stühlen am Strand und Lesen und sehen den Kitern zu.