26. Dezember 2019
Die Zeit in Placencia ist sehr schnell vergangen. Wahrscheinlich deshalb, weil wir uns hier richtig wohl gefühlt haben. Der zweite längere Stopp in Belize wird schon nahe der Grenze zu Guatemala in San Ignacio sein. Angeblich gibt es dort viel Dschungel und ein paar interessante Maya Stätten.
Heute Nacht hat uns die Maus nichts angeknabbert. Ausnahmsweise waren wir schlauer und haben alles gut verstaut. Also können wir beim Frühstück aus dem Vollen schöpfen 🙂 und lassen es uns auf der Terrasse nocheinmal gutgehen. Hannes erledigt noch ein paar administrative Sachen für zu Hause bevor wir alles zusammenpacken und starten. Der Abschied fällt uns dieses Mal sehr schwer. Wir haben uns hier wirklich wohl gefühlt und wieder ein paar Annehmlichkeiten genossen. Aber wir wollen noch ein paar Länder mehr kennen lernen, also ist es Zeit, weiter zufahren.


Wir sind keine 10km unterwegs, als wir eine Polizeikontrolle der Touristenpolizei passieren. Zuerst wird die Versicherung vom Motorrad kontrolliert und dann muss Hannes zum ersten Mal auf der Reise seinen Führerschein herzeigen. Hannes hat noch den alten Papierschein in rosa. Der Polizist kann offensichtlich nicht viel damit anfangen und fragt wie lange er noch gültig ist. Hannes erklärt, dass es kein Ablaufdatum gibt. Damit war die Kontrolle zu Ende und wir können weiterfahren.
Die Strecke bis Belmopan kennen wir schon von der Anfahrt nach Placencia. Allerdings ist heute das Wetter viel besser und das macht die Landschaft gleich nocheinmal schöner. Wieder ist fast kein Verkehr und wir können gemütlich durch die Landschaft cruisen.



Wir haben uns wieder ein Zimmer ausgesucht, bei dem wir eine Küche mitbenutzen können. Dieses mal in einem kleinen Hotel, das nur 3 Zimmer vermietet. Es ist alles sehr sauber und wir haben viel Platz. Nur das Badezimmer stinkt extrem stark. Es kostet jedesmal aufs neue Überwindung hineinzugehen. An besonders schlechte Quartiere haben wir Namen vergeben. Auch diese Quartier bekommt wegen des Gestanks einen. Welchen, das verraten wir hier aber nicht 😉
Am Nachmittag gehen wir in San Ignacio eine Runde spazieren. Dabei bemerken wir, dass wir vorhin mit dem Motorrad bei der Flussüberquerung gegen die Einbahn gefahren sind. Es gibt zwei Brücken über den Macal River, für jede Fahrtrichtung eine.





Der Ort selbst ist nicht allzu spannend. Es gibt eine kurze Touristenmeile, in der ein paar Lokale, Geschäfte und vor allem Touranbieter sind. Wie üblich haben alle dieselben Touren im Programm. Hannes hat keine Lust auf eine Höhlentour und wir wollen lieber eine Dschungelwanderung auf eigene Faust unternehmen.

27. Dezember 2019
Wir sind momentan die einzigen Gäste und haben die Küche beim Frühstück für uns. Die einzige Angestellte kommt kurz vorbei und kehrt rund ums Hotel. Wie wir in den kommenden Tagen sehen, ist das ein fixes Ritual jeden Tag. Egal ob es schmutzig ist oder nicht.
Als Ziel für heute haben wir uns die Big Rock Falls ausgesucht. Irgendwo in der Nähe wollen wir das Motorrad abstellen und dann ein wenig wandern. Zur Sicherheit fragen wir noch in der Touristeninformation, ob das möglich ist. Ja, ist es, es gibt einige Wege in dem Gebiet.

Unterwegs sehen wir ein ausgebranntes Auto auf der Straße stehen. Hannes will das Auto unbedingt fotografieren. Dabei sehen wir, dass hier eine kleine Maya-Stätte ist. Andrea nutzt die Gelegenheit und möchte ein paar Fotos davon. Dafür muss man natürlich Gebühr bezahlen. Der Aufseher erzählt dabei, dass der Unfall mit dem Auto erst gestern passiert sei.


Nach San Antonio wird die Straße immer schlechter und wir beschließen das Motorrad abzustellen und die Wanderung hier zu starten. Bis zu den Wasserfällen sind es 8km. Wir können das Motorrad neben einem Essensstand abstellen und machen uns auf den Weg. Keine 10 Minuten später werden wir schon gefragt ob wir mitfahren wollen. Ein Angestellter einer Lodge nimmt uns dann bis zu seinem Arbeitsplatz mit von wo es nur mehr 20 Minuten zu den Wasserfällen sind. Nachher überlegen wir, ob es wirklich klug war, zu einem Fremden ins Auto zu steigen. Wir haben aber Glück, der Fahrer arbeitet in einem Resort, genau dort, wo wir eigentlich hin wollten. Er hatte wohl nur Mitleid.

Es gibt hier einige luxuriöse Lodges und ein paar leistbare Hotels und Camps mitten im Nirgendwo. Wir wollen gar nicht wissen, wie hier die Baubewilligungen vergeben werden. Eigentlich schade, dass die Wildnis durch die starke Zersiedelung so zertört wird.

Beim Wasserfall sehen wir einen Führer einer Reitgruppe und reden kurz mit ihm. Angeblich haben sie heute beim Reiten einen jungen Jaguar im Wald gesehen. Wir sind nicht ganz sicher, ob wir das glauben sollen. Aber wir freuen uns schon auf unsere Wanderung. Vorher sehen wir uns den Wasserfall an. Es ist nicht allzu spektkulär aber sehr schön. Ein paar Leute sind im Wasser und wir haben natürlich unsere Badesachen im Motorradkoffer vergessen. Also kühlen wir nur die Füße im Fluss ab.




Dann machen wir uns auf den Rückweg. Der Weg führt bergauf bergab durch den Wald. Wenn wir auf einem Hügel sind, gibt es Pinienwald, aber in den Tälern ist dichter Dschungel mit Farnen und Palmen. Wirklich traumhaft schön.




Außer ein paar Vögel und Moskitos sehen wir aber überhaupt keine Tiere. Sehr schade! Erst auf dem letzten Kilometer, als wir wieder auf der größeren Schotterstraße sind, läuft uns ein Aguti über den Weg. Wirklich eine magere Ausbeute. Dabei haben wir einen Mann gesehen, der von seinem Sohn zur Jagd gebracht wurde. Mit Machete und Gewehr bewaffnet hat er sich neben uns ins Dickicht begeben. Wir möchten wirklich gerne wissen, welche Tiere hier gejagt werden. Wir wollen aber keine Konversation starten, jagen ist in diesem Gebiet nämlich verboten, zumindest steht das auf den Schildern. Er hätte unsere Frage vielleicht als Provokation empfunden.
Bei der hohen Luftfeuchtigkeit und der Hitze haben wir beim Gehen ordentlich geschwitzt. Wir freuen uns, dass unser Motorrad noch unversehrt dasteht. An dem Stand kaufen wir uns ein Cola und rasten uns ein wenig aus, bevor wir wieder zurück ins Hotel fahren. Heute gibt es wieder Haute Cuisine, Hannes kocht im Quartier ein einfaches Nudelgericht. Immer noch sind wir alleine, erst später am Abend kommen Gäste für die beiden anderen Zimmer.
28. Dezember 2019
Hannes bereitet das Frühstück vor und überlastet den Stromkreis in der Küche. Mikrowelle, Kaffeemaschine und Toaster waren zuviel auf einmal. Jetzt ist das halbe Haus ohne Strom und leider hat es auch den Internet Router erwischt. Die Kaffeemaschine können wir zu einer anderen Steckdose mit Strom tragen. Zumindest das Frühstück ist damit gesichert.
Zum Glück ist die Angestellte schon da und mitten in ihrem täglichen Kehrprogramm. Hannes erklärt ihr die Situation und fragt wo die FI Schalter sind. Nach kurzem suchen finden die beiden in der Waschkammer einen Kasten an der Wand. Hannes klettert über die Waschmaschine und einer Gasflasche und schaltet die ganze obere Reihe, weil alle drei unten sind. Erst nachdem wir bemerken, dass noch mehr stromlos ist, checkt Hannes, dass die obere Reihe der FI Schalter verkehrt herum eingbaut ist. Also noch einmal klettern und umschalten. Wir haben wieder den Ausgangszustand. Es muss noch einen weiteren Schaltkasten geben, aber den finden wir nicht. Es wird also der Besitzer angerufen der sich um das Problem kümmern soll.
Wir wollen uns die Maya Stätte Cahal Pech ansehen, die keine 500m ums Eck liegt. Es ist fast überhaupt nichts los und eine angenehme, ruhige Stimmung.




Lediglich eine us-amerikanische Familie, die die archäologische Stätte mit einem Abenteuerspielülatzverwechselt stört ein wenig. Lautstark klettert der Vater mit den zwei Kindern auf eine Ruine, rollen Steine runter und schreien von oben runter. Hannes muss das natürlich kommentieren, erntet von der Familie aber nur Verständnislosigkeit.







Danach gehen wir ein Stück weiter und machen eine Führung durch eine Leguan Station, in der verletzte Leguane wieder aufgepäppelt werden, mit. Die Station befindet sich im Garten eines teureren Hotel Resorts. Der Eintritt für die knapp einstündige Tour ist mit 18 Belize Dollar pro Person auch demenstrechend teuer. Aber es ist für einen guten Zweck.





Wir lernen ein wenig über Leguane und dürfen sie mit ein paar Blätter füttern. Leider sind die Leguane in Zentralamerika immer noch bedroht, weil sie als Delikatesse begehrt sind, besonders die Weibchen, wenn sie Eier tragen. Fun fact: Leguane können bis zu 35 kmh schnell laufen. Wir dachten bis jetzt eigentlich, dass es langsame und gemütliche Tiere sind. Uns hat die Tour ganz gut gefallen, auch wenn sie ein wenig überteuert ist.



Heute ist Andrea Küchenchefin. Damit das Mahl gelingt, müssen wir uns vorher noch ein paar Zutaten vom Markt holen. Im hügeligen San Ignacio und bei der Hitze ist das Herumgehen ziemlich anstrengend.


