20. Februar 2020
Heute ist es soweit, wir müssen uns wieder von unseren beiden Kindern verabschieden. Weil wir nicht allzu weit nach Costa Rica haben und Lisa und Patrick nur nach Managua ins Hotel neben dem Flughafen müssen, schieben wir den Start so lang wie möglich bis zum frühen Nachmittag hinaus. So haben wir noch einen netten gemütlichen Vormittag zusammen.

Aber irgendwann ist es soweit und wir müssen los. Dieses Mal ist der Abschied nicht so schwer wie zu Beginn unserer Reise, wir sehen uns ja „schon“ in ungefähr einem halben Jahr wieder. Natürlich fließen trotzdem ein paar Tränen.

Wir starten und machen uns auf den Weg nach Costa Rica. Zuerst einmal müssen wir gleich einen Abstecher nach San Juan zu einem Bankomat machen, wir brauchen US Dollar, um wir für den Grenzübertritt gerüstet zu sein. Unser Ziel heute ist Liberia, eine Stadt im Nordosten von Costa Rica, nicht allzuweit von der Grenze entfernt. Die Region Guanacaste ist die trockenste Region Costa Ricas und wir sind schon gespannt, ob und wie es sich von Nicaragua unterscheidet.


Die Dollar sind im Geldbörserl und wir können starten. Keine 20km weiter leuchtet plötzlich das Warnlicht für den Reifendruck rot auf und der Sensor vom Hinterrad meldet einen konstanten Druckverlust. Also schnell einen Platz suchen, wo wir gut neben der Straße stehenbleiben können. Wieder einmal ist eine Busstation die beste Wahl. Wir hieven das Motorrad auf den Hauptständer und untersuchen den Hinterreifen. Wir hören die Luft aus dem Reifen pfeifen. Es dauert nicht lange und schon blitzt es silber hervor. Hannes holt das Metallteil mit einer Zange raus und wir sehen es uns genauer an. WTF! Es ist ein Autoschlüssel den wir uns eingefahren haben. Wir wussten gar nicht, dass so etwas möglich ist. Das Teil ist überhaupt nicht spitz.

Zum Glück sind wit gut gerüstet und haben ein Reifenreparaturset dabei. Hannes bearbeitet das Loch und setzt einen Stoppel ein.

Wir warten zur Sicherheit ein wenig bis der Kleber getrocknet ist, und wollen dann den Reifen mit unserem Kompressor aufpumpen. Aber jetzt kommt die erste Niederlage. Der Kompressor schaltet sich sofort wieder aus. Wahrscheinlich ist die Steckdose am Lenker nicht für diesen Stromverbrauch ausgelegt und entsprechend abgesichert. Sehr Blöd. Wie bekommen wir jetzt Luft in den Reifen? Wir müssen Hilfe suchen.
In der Nähe arbeiten zwei Männer am Straßenrand und sägen gerade einen Baum um. Hannes redet mit ihnen und wir bekommen eine Handpumpe, die tatsächlich auf das Ventil passt. Zusätzlich bekommen wir auch Gesellschaft von Herbie (er stellt sich so vor).

Jetzt die zweite Niederlage. Der Stoppel hält nicht, bzw. kommt immer noch Luft raus. Hannes unternimmt einen zweiten Versuch mit einem weiteren Stoppel, aber leider mit dem demselben Ergebnis. Das ganze ist bei 34 Grad ziemlich schweißtreibend und die Zeit läuft uns auch ein wenig davon. Wir wollten ja vor dem Einbruch der Dunkelheit am Ziel sein.
Wir fragen Herbie, ob es eine Reifenwerkstatt in der Nähe gibt. Er meint ja, keine 2km entfernt. Er wird jemand organisieren und zischt per Fahrrad ab. Eine halbe Stunde später ist er wieder da und meint, es kommt bald jemand. Weil das Warten schon zu lange dauert, baut Hannes in der Zwischenzeit das Hinterrad aus und wir überlegen ein Auto anzuhalten und mit dem Reifen selbst eine Werkstatt zu suchen. Genau dann kommen aber zwei junge Männer auf einem Moped und sehen sich die Sache an. Nach kurzer Diskussion nehmen sie den Reifen in die Werkstatt mit und wir müssen wieder warten.

Während wir warten, kommen zwei Motorradreisende vorbei und bleiben kurz stehen, um zu fragen, ob wir Hilfe brauchen. Es sind ein Argentinier und ein Chilene, der mit seinem Hund am Beifahrersitz auf dem Weg nach Alaska ist. Wir reden kurz miteinander und erklären die Situation. Jetzt wo unser Rad in der Werkstatt ist, können sie natürlich nichts mehr tun.



Mittlerweile ist klar, dass wir es sicher nicht vor der Dunkelheit bis ans Ziel schaffen. Wir überlegen kurz, ob wir nicht doch ein Zimmer in Nicaragua suchen sollen, verwerfen die Idee aber gleich wieder. Wir versuchen es zumindest bis zur Grenze. Nach knapp 40 Minuten sind die beiden Männer mit dem Hinterrad wieder da. Sie mussten zwei Stoppel zum Flicken nehmen, weil das Loch vom Schlüssel so groß war. Hoffentlich hält der Reifen. Wir fahren zur Sicherheit noch einen kleinen Umweg nach Rivas zu einer Tankstelle und pumpen den Reifen ganz auf. Es scheint alles gut zu sein, die Luft bleibt drinnen.
Die Fahrt bis zur Grenze geht dann recht flott, nur der Seitenwind nervt noch immer. Als wir in Peñas Blancas ankommen ist es gerade noch hell. Aber es sind schon ordentlich viele Mücken unterwegs und ein paar davon kleben am Motorrad.

Wir fahren wieder an einer endlos langen Schlange an LKWs vorbei bis wir zum Genzposten kommen, der auf der Nicaragua Seite sehr modern ist. Um diese Zeit ist nicht mehr viel los. Hannes akzeptiert die Hilfe von einem aufdringlichen Schlepper, damit es schnell geht. Das Ausreisen mit dem Löschen des Motorradimports ist genauso aufwendig wie die Einreise nach Nicaragua. Zuerst zur Migracion wo wir für die Ausreise 2 und 1 USD Steuer pro Person zahlen müssen. Dann in einen kleinen Laden Kopien organisieren, ein Ausreiseformular ausfüllen, das von einer Polizistin abgestempelt wird und damit zum Zoll und die Importerlaubnis löschen.


Endlich sind wir durch und können weiter zu den Behörden von Costa Rica. Mittlerweile ist es fast dunkel. Wir bekommen unsere Einreisestempel in den Pass, holen nocheinmal Kopien, die hier praktischerweise nur 20m weiter zu bekommen sind und müssen dann zum Zoll fahren. Dort muss Hannes zuerst eine Versicherung für das Motorrad abschließen. Die kürzeste Vertragszeit sind 3 Monate, und der Spaß kostet 36 USD. Dann bearbeitet der Zollbeamte die Papiere. Das dauert fast eine halbe Stunde, weil er immer wieder nebenbei WhatsApp Nachrichten schreiben und mit Kollegen tratschen muss.
Jetzt st es aber ohnehin egal, es ist stockdunkel und wir müssen die letzten knapp 80km im Dunkeln fahren. An der Grenze versichern uns alle, dass die Straße gut und die Strecke kein Problem ist. Tatsächlich kommen wir zügig durch und finden unser Airbnb auf Anhieb.
Wir haben schon ziemlichen Hunger, seit dem Frühstück haben wir nichts mehr gegessen. Also schnell noch eine Kleinigkeit essen und dann ins Bett. Jose, unser Vermieter, zeigt uns ein Lokal in der Nähe. Wir ringen uns dann doch noch durch zum Supermarkt zu gehen und für das Frühstück einzukaufen. Jetzt können wir den morgigen Tag sehr ruhig angehen.
21. Februar 2020
Für heute haben wir außer SIM Karte besorgen und Liberia anschauen nichts geplant. Wir nehmen eine SIM von Movistar und müssen feststellen, dass die Prepaid Angebote max. 2.3GB für 15 Tage beinhalten. Das wird wohl nicht ausreichen.
Die Stadtbesichtigung ist praktisch schon wieder vorbei, wie sie begonnen hat. Es gibt nämlich nichts zu sehen. Selbst die Kirche ist ein moderner gesichtsloser Bau.

Wir besorgen uns noch was zum Kochen und gehen zurück ins Quartier. Nach dem anstrengenden Tag gestern, schadet ein wenig Erholung nicht. Und Hannes fühlt sich immer nicht nicht 100% fit.
Wir haben ein super Zimmer in einem kleinen Haus, in dem auch unser Gastgeber Jose zumindest teilweise wohnt. Was uns überrascht, ist der elektrische Zaun, der zusätzlich zur Mauer rund um das kleine Grundstück gespannt ist. Wenn wir auf der Terrasse sitzen, fühlt es sich ein wenig an wie im Gefängnishof. Wir dürfen uns aber nicht beklagen, das Zimmer ist super, wir haben Klimaanlage, können die gut ausgestattete Küche und auch die Waschmaschine benutzen.

22. Februar 2020
Nach einem ordentlichen Frühstück steigen wir aufs Motorrad und fahren zum Nationaslpark Rincón. Wir bemerken gleich, dass der Hinterreifen wieder ein wenig Druck verloren hat. Also hält der Stoppel nicht hundertprozent dicht. Dh wir müssen uns einen neuen Reifen organisieren und das geht wahrscheinlich nur in San Jose. Am Abend wollen wir die Recherche starten und nachdem heute Samstag ist, beschließen wir auch gleich noch eine Nacht in Liberia anzuhängen, damit wir, wenn möglich, gleich am Montag in San Jose tauschen können.
Am Parkplatz beim Nationalpark stehen ein paar Autos und kleine Busse. Zum Glück machen die meisten nur die kürzere Wanderung. Wir haben uns für die Wanderung zum Wasserfall Cangreja entschieden, wo es auch in der Trockenzeit genügend Wasser gibt. Der Weg ist sehr schön und führt zuerst durch dichten Regenwald wo wir in einiger Entfernung einen Klammeraffen entdecken. Fotografieren ist im dichten Wald bei der Entfernung leider unmöglich. Dann geht es ein Stück durch sehr trockenes, freies Gelände. Der Kontrast zum saftig grünen Wald mit den Bächen davor ist unglaublich. Man kann hier gar nicht glauben, dass man kurz danach nach einem kleinen Abstieg zu einem großen Wasserfall kommt. Wir sind auf knapp 700m Seehöhe und hier ist es zum Glück nicht mehr so heiß, wie in der Stadt. Bei 26 Grad kommen wir aber trotzdem noch ordentlich ins Schwitzen.









Der Wasserfall ist tatsächlich sehr schön und idyllisch gelegen, ein kleines tropisches Paradies. Einige Leute sind hier und obwohl es mehrere Schilder gibt, dass Baden verboten ist, gehen ein paar ins Wasser. Warum es das Verbot gibt wird nirgends erklärt, aber wir sind brav und halten uns dran.




Am Rückweg sehen wir noch einen Rostbauchguan auf einem Baum sitzen. Ein ziemlich stattlicher Vogel, den man wegen seiner Größe von rund 1 m eher auf dem Boden vermuten würde. Wir schauen uns ein wenig um und finden dann auch seine Partnerin in der Nähe.

Zurück beim Motorrad checken wir gleich den Druck am Hinterrad. Diesesmal haben wir nur 0.2 bar verloren, Tagesausflüge sind also problemlos möglich. In Liberia haben wir gestern am Weg zum Supermarkt ein Sushi Lokal entdeckt. Das wollen wir heute unbedingt ausprobieren. Die letzten Tage waren recht anstrengend, also wollen wir uns heute was Gutes gönnen. Das letzte Mal Sushi essen waren wir in Mexiko. Dort waren wir recht enttäuscht. Der frische Thunfisch heute hat uns aber sehr gut geschmeckt.

Jose hat uns heute zwei verschiedene Arten Sternfrüchte und Orangen aus dem Garten von seinem zweiten Haus mitgebracht. Die Sternfrüchte schmecken normalerweise nicht so besonders, aber die frischen sind wirklich saftig und haben einen angenehm säuerlichen Geschmack.

23. Februar 2020
Heute möchten wir gerne einen weiteren Nationalpark in der Nähe besuchen. Palo Verde liegt südlich von Liberia und es sind laut Google gut 50km zu fahren. Wir füllen gleich in Liberia wieder bei der selben Tankstelle Luft nach. Die Angestellten kennen uns jetzt schon, sind aber immer noch begeistert, dass unser Motorrad einen Drucksensor hat und wir den Reifendruck nicht manuell messen müssen.
Zuerst gehts auf der Hauptsraße entlang bevor wir zur Abzweigung zum Nationalpark kommen. Der erste Kilometer ist noch asphaltiert, aber ab dann wirds Schotter. Wir sind uns nicht sicher ob wir das mit dem halb kaputten Reifen riskieren sollen. Ein Stück fahren wir, aber dann beschließen wir doch lieber umzukehren, bevor wir ein zweites Reifendebakel mitten im Nirgendwo provozieren. Bei den 36 Grad hier wäre das nocheinmal eine verschärfte Herausforderung.

Im Zimmer nutzen wir die Zeit und Hannes kontaktiert ein paar Motorradfahrer aus Costa Rica wegen dem Reifen. Es gibt eine WhatsApp Gruppe für Zentralamerika, in der sich Motorradreisende gegenseitig helfen. Super praktisch und sehr hilfreich. Obwohl es Sonntag ist, haben wir nach einer Stunde ein paar Optionen mit Preisen. Das Gute dabei, es sind einige Reifen in der richtigen Größe lagernd. Wir können also Morgen beruhigt nach San Jose fahren und unser Problem lösen.